Schon vor dem „Lockdown-light“ durfte ich die Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) Uhldingen-Mühlhofen besuchen. Mit ganz viel Herzblut und unglaublichem Engagement und vor allem einem langen Atem hat es die BEG Uhldingen-Mühlhofen im Jahr 2013 geschafft, die Wasserkraftanlage Spek in Mühlhofen wieder in Betrieb nehmen zu können. Ein wahres Prestigeprojekt, das auch nur durch den Bau einer aufwändigen Fischtreppe verwirklicht werden konnte. Die Aach-Insel in Mühlhofen wurde im Rahmen dieses Projektes auch für die Öffentlichkeit wieder attraktiver gemacht. In der Folge kamen einige Photovoltaik-Projekte hinzu. Wie mir der Vorstand Harald Löhle schilderte, sei in der heutigen Zeit aber aufgrund veränderter Rahmenbedingungen die Zukunft der Bürgerenergiegenossenschaft äußerst fraglich. Am Willen und an Ideen fehle es nicht, die Möglichkeiten wirtschaftlich weiter zu arbeiten, seien aber äußerst eingeschränkt.

Durch geänderte Rahmenbedingungen in Politik und Wirtschaft verändert sich die bisher einfach konstruierte Geschäftsmodell-Landschaft für Bürgerenergiegenossenschaften rasant. Das Standardmodell Photovoltaikanlagen mit garantierter Einspeisevergütung zu betreiben, was 20 Jahre lang Erträge garantierte, ist zukünftig nur im Einzelfall ein weiterhin wirtschaftlich sinnvolles Geschäftsmodell.

Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, Erträge zu generieren und Projekte umzusetzen, stoßen Sie oft an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Beginn bedingt durch die herkömmlich ehrenamtlichen Strukturen geraten die Bürgerenergiegenossenschaften in der Konkurrenzsituation der freien Marktwirtschaft immer stärker ins Hintertreffen.

So muss die BEG Uhldingen-Mühlhofen EEG-Umlage für den Eigenverbrauch ihrer Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden bezahlen, da sie Pächter und nicht Eigentümer der Anlagen ist (§ 60 EEG: Umlage für Elektrizitätsversorgungsunternehmen).


Schaut man sich an, dass Bürgerenergiegenossenschaften als wichtiger Teil der „kleinen Energiewende“ vor Ort, der lokalen Energiewende, vor Jahren noch in ihrer Entstehung ermutigt und gefördert wurden, so werden sie mittlerweile von der Politik schon fast stiefmütterlich behandelt. Ich bin der Meinung, dass BEGs, genauso wie alle kleinen Beiträge zur Energiewende vor Ort, ein ganz wichtiger Bestandteil für die große Energiewende sind. Anstatt diesen Steine in den Weg zu legen, wären sie vielmehr weiterhin zu begleiten und auch im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) entsprechend zu berücksichtigen. Es kann nicht sein, dass Genossenschaften wie die in Uhldingen-Mühlhofen, die viel für Naturschutz und Energiewende getan haben, keine Zukunft mehr sehen und im schlimmsten Fall abgewickelt werden müssten.

Foto: mit dem Team der BEG Uhldingen-Mühlhofen vor dem Turbinenhaus der Wasserkraftanlage Spek.